Archive für 19.2.2009

Eintausend Nächte

Wo Licht ist, muss auch Schatten sein

Es ist dunkel. Ich liege auf dem Rücken, oben auf dem Klettergerüst auf einem Spielplatz. Ich bin einsam und versuche, die Sterne zu sehen. Leider lassen die Wolken auch diese Nacht nicht viel von ihnen übrig. Wie jede Nacht, so kommt es mir zumindest vor. Wahrscheinlich kommen mir viele Dinge irgendwie vor, nur nicht so wie sie sind. Denn alleine bin ich eigentlich gar nicht. Meine Freunde sind auch auf diesem Klettergerüst, sie liegen nur wenig entfernt von mir auf dem Boden. Aber ich fühle mich alleine und suche weiter.

Ich kann eine Uhr sehen. Ein Uhr sieben, sagt sie. Schon ziemlich spät für einen Spielplatzbesuch, aber Alkohol treibt einen zu den unmöglichsten Zeiten an die unmöglichsten Orte. Es ist eine dieser hellen Nächte, in denen der Mond den fahlen Schein des Himmels zeigt und die verschwommenen Umrisse einiger Bäume über mir sichtbar macht. Eine warme Nacht - ist ja schließlich auch schon fast Juli. Doch irgendwie kann ich diese Wärme nicht richtig fühlen, komme mir leer vor.

Etwas fehlt. Schwul. Scheiß Wort für so etwas Schönes. Das hat sich wahrscheinlich jemand ausgedacht, der nicht besonders viel verstehen oder fühlen kann. Ich kenne solche Leute. Die suchen nie nach Sternen. Trotzdem scheinen sie im Leben mehr zu finden als ich. Doch was ich suche ist etwas anderes: Verständnis. Zugehörigkeit. Zärtlichkeit. Liebe. Einen Freund.

Wo und wann es passiert weiß ich nicht, auch nicht wie es sich anfühlen wird. Woher soll ich das auch wissen? Ich hasse Fragen, die man nicht beantworten kann, denn genau die sind es, die eine solche Leere verschulden. Kann so etwas wie Verlieben überhaupt passieren? Wenn ja: Werde auch ich jemanden finden? Wird es vorbeigehen und nachher schlimmer sein als vorher? Werde ich dann noch leerer sein als vorher? Voller noch mehr: Ungeduld. Scham. Unmut. Angst. Sehnsucht?

Von diesen Fragen gibt es tausende. Irgendwie scheint bisher jeder eine Antwort gefunden zu haben, außer mir - vorerst jedenfalls. Und so verlassen wir den Spielplatz und gehen die Straßen entlang auf unserem Weg nach Hause. Ein paar Lampen geben warmes Licht und lassen auch die Fassaden der Häuser warm erscheinen. Doch sie, wie auch die Sterne von vorhin, können die Dunkelheit nur stellenweise und labil verdrängen. Aber sie schaffen es - irgendwie. Am Tag wird das Licht dann alles erfüllen. Ich bleibe leer, auch dieses Mal. Bis auf eine Erkenntnis: Wo Licht ist muss auch Schatten sein, denn eben nichts ist absolut. Absolut nichts.

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